25. März 2025 – 89.0 RTL
Wer wünscht sich das nicht: gerecht für die eigene Arbeit bezahlt zu werden. Doch viele Arbeitnehmer stehen vor einer Herausforderung – sie wissen schlichtweg nicht, wie ihr Gehalt im Vergleich zu anderen einzuordnen ist oder wo sie verlässliche Informationen dazu finden.
„Es gibt zahlreiche individuelle und externe Faktoren, die die Höhe des Gehalts bestimmen“, erklärt Julia Lang vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Neben deiner Ausbildung, deinen Qualifikationen und deiner Berufserfahrung spielen auch Aspekte wie die Branche, die Unternehmensgröße und deine Position eine entscheidende Rolle.
Eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt zudem, dass auch Geschlecht, Bundesland, Tarifbindung und das Anforderungsniveau deines Jobs wesentliche Einflussfaktoren sind.
Sind Online-Gehaltsvergleiche zuverlässig?
Portale wie StepStone, Glassdoor oder Kununu bieten die Möglichkeit, Gehaltsdaten zu recherchieren. Doch Vorsicht: „Diese Daten basieren häufig auf freiwilligen Angaben der Nutzer und sind daher nicht repräsentativ“, warnt Hermann Gartner, Experte beim IAB.
Zudem ist es entscheidend, die Angaben genau zu hinterfragen: Werden beispielsweise Auszubildende oder Teilzeitbeschäftigte in die Berechnung einbezogen? Handelt es sich um Brutto- oder Nettolöhne? Und sind Sonderzahlungen wie Boni oder Überstundenvergütungen berücksichtigt?
Wo findest du verlässliche Gehaltsdaten?
Wenn du auf der Suche nach repräsentativen Zahlen bist, solltest du dich an offizielle Quellen halten. Dazu gehören unter anderem:
- Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit
- Die Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamtes
- Der WSI-Lohnspiegel
- Das Sozioökonomische Panel des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)
Auch Gewerkschaften oder der Betriebsrat können wertvolle Anhaltspunkte liefern.
Was tun, wenn dein Gehalt unter dem Durchschnitt liegt?
Der erste Schritt: ein gut vorbereitetes Gehaltsgespräch. „Ein reiner Appell an Gerechtigkeit reicht hier nicht. Vielmehr sollten konkrete Argumente vorgebracht werden“, rät Business-Coach Ute Gietzen-Wieland aus Bielefeld. Dazu zählen beispielsweise besondere Leistungen, Weiterbildungen oder berufliche Erfolge.
Wenn dein Arbeitgeber sich dennoch nicht offen für eine Gehaltserhöhung zeigt, könnten ein interner Wechsel oder ein Jobwechsel zu einem anderen Unternehmen Alternativen sein.
Dein Kollege verdient mehr – was nun?
Erfährst du, dass ein Kollege für die gleiche Arbeit besser bezahlt wird, kann das Entgelttransparenzgesetz helfen. „Arbeitnehmer dürfen wissen, was ihre Kolleginnen und Kollegen verdienen“, erklärt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht.
Ein erster Schritt ist, bei der Führungskraft oder der Personalabteilung nach den Kriterien der Gehaltsgestaltung zu fragen, ohne konkrete Gehaltsunterschiede zu nennen. Besteht der Verdacht auf eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung – etwa ohne erkennbaren Unterschied in Qualifikationen oder Verantwortlichkeiten – kannst du überlegen, ob rechtliche Schritte notwendig sind.
Am Ende gilt: Transparenz, gute Vorbereitung und fundierte Argumente sind die besten Mittel, um deine Bezahlung zu verbessern. Und wenn alle Stricke reißen? Vielleicht ist es Zeit für einen Neuanfang.