01. April 2025 – 89.0 RTL
TikTok Shop startet in Deutschland: Mit einem Klick direkt aus der Social Media Plattform im Warenkorb - revolutionär, aber auch gefährlich.
Ein Klick, und das neue T-Shirt ist im Warenkorb. Mit der Einführung der neuen Shop-Funktion in Deutschland will die Social-Media-Plattform TikTok den Onlinehandel auf ein neues Level heben. Doch während die Innovation gefeiert wird, warnen Experten vor den Schattenseiten, insbesondere für junge Nutzer.
„So nahtlos war der Weg zum Kaufabschluss noch nie“, schwärmt Zukunftsforscher Hartwin Maas. Mit der neuen Funktion können Nutzer Produkte direkt aus Videos oder Livestreams heraus kaufen – ohne die App zu verlassen. Was früher über externe Links und Plattformen lief, ist jetzt mit einem einzigen Klick möglich. Influencer und Content-Creator präsentieren Produkte, die direkt in den Warenkorb wandern können.
Doch genau diese Benutzerfreundlichkeit birgt Risiken. Zwar hat TikTok Altersbeschränkungen und Schutzmechanismen eingeführt, doch Digitalexperten wie Journalist Jörg Schieb warnen: Minderjährige könnten dennoch Wege finden, Zahlungsmethoden in der App zu hinterlegen. Die Konsequenz? Kinder und Jugendliche könnten zu unüberlegten Käufen verleitet werden.
Psychotricks und Impulskäufe: Wie TikTok die Jugend verführt
„Renn!“ – Ein Wort, das auf TikTok viral ist, wenn es um begehrte Produkte geht. Mit Countdowns, Rabattaktionen und der vermeintlichen Knappheit von Artikeln wird bewusst Druck aufgebaut. Die Angst, etwas zu verpassen, soll Nutzer zu schnellen Entscheidungen drängen. Besonders kritisch: Viele Produkte können über „Buy now, pay later“-Dienste gekauft werden – jetzt shoppen, später zahlen. Für junge Menschen ein gefährliches Angebot, das Impulskäufe noch einfacher macht.
„Hier wird gezielt mit der natürlichen Verlustangst gespielt“, erklärt Schieb. Für Jugendliche, die oft noch keine gefestigten Konsumgewohnheiten haben, sei das besonders problematisch.
Was Eltern wissen müssen: Strategien gegen die digitale Verlockung
Eltern stehen vor der Herausforderung, ihre Kinder in der digitalen Konsumwelt zu begleiten. Experten raten zu offenen Gesprächen über die Risiken der neuen Shopping-Funktion. „Das Bewusstsein für Tricks und Manipulationen muss geschärft werden“, so Schieb.
Ein wichtiger Schritt sei zudem, automatische Zahlungsmöglichkeiten auf Smartphones zu deaktivieren. Auch die Frage „Brauche ich das wirklich?“ sollte regelmäßig thematisiert werden, um impulsives Kaufverhalten zu hinterfragen.
Zukunftsforscher Maas schlägt vor, den Verzicht positiv zu bewerten: „Wenn ich das nicht kaufe, kann ich für etwas Größeres oder Wichtigeres sparen.“ Diese Perspektive könne Kindern und Jugendlichen helfen, bewusster mit ihrem Konsum umzugehen.
Ein Blick in die Zukunft
Während TikTok mit seiner Shop-Funktion die Onlinehandelswelt revolutionieren möchte, bleibt die Frage, wie Plattformen ihrer Verantwortung gegenüber jungen Nutzern gerecht werden können. Eltern, Experten und Gesellschaft sind gefragt, um den digitalen Konsum sicherer zu gestalten. Doch eines ist sicher: Der TikTok-Shop hat den Onlinehandel bereits nachhaltig verändert – mit allen Chancen und Risiken.