12. März 2026 – 89.0 RTL

Spritpreise

Nur eine Spritpreiserhöhung pro Tag: So funktioniert das österreichische Modell

Nur eine Preiserhöhung pro Tag: Die Bundesregierung plant nach österreichischem Vorbild. Was Experten sagen und ob Autofahrer profitieren.

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Ein Mann betankt ein Auto., Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbi

Angesichts explodierender Benzinpreise durch den Iran-Krieg greift die Bundesregierung zu ungewöhnlichen Maßnahmen: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will künftig nur noch eine Spritpreiserhöhung pro Tag erlauben – nach österreichischem Vorbild. Doch während unser Nachbarland seit 15 Jahren auf diese Regelung schwört, sind deutsche Experten gespalten. Was steckt wirklich hinter dem Plan, und hilft er tatsächlich gegen Preischaos an der Zapfsäule?

Bewährtes Modell oder riskantes Experiment?

In Österreich ist die Sache klar geregelt: Tankstellenbetreiber dürfen ihre Preise nur einmal täglich erhöhen – und zwar punkt 12 Uhr mittags. Senken können sie beliebig oft. Was auf den ersten Blick nach Verbraucherschutz klingt, hat eine bewegte Vorgeschichte. Ursprünglich war die einmalige Erhöhung auf den Betriebsbeginn festgelegt. Das Problem: Pendler auf dem Weg in die Stadt mussten morgens die höchsten Preise zahlen, während Tankstellen an Ausfallstraßen profitieren konnten. Die Verlegung auf 12 Uhr sollte diese Ungleichheit beseitigen.

Das österreichische Wirtschaftsministerium zeigt sich zufrieden: Die Regelung schaffe Vertrauen und Planbarkeit. Verbraucher wüssten genau, dass sie abends oder vormittags günstiger tanken als kurz nach Mittag. Der ständige Preiswirbel, der Autofahrer zur Verzweiflung treibt, gehöre damit der Vergangenheit an.

Experten warnen vor unerwünschten Nebenwirkungen

Doch ganz so eindeutig ist die Sache nicht. Das Bundeskartellamt hatte im ersten Halbjahr 2025 durchschnittlich 22 Preisänderungen pro Tankstelle und Tag gezählt – ein Wirrwarr, das nach Ordnung schreit. Trotzdem äußerten sich die Wettbewerbshüter zurückhaltend zum österreichischen Modell. Die zentrale Befürchtung: Mineralölkonzerne könnten die eine erlaubte Erhöhung nutzen, um die Preise auf Vorrat besonders kräftig anzuheben.

Ein weiterer Knackpunkt ist der Zeitpunkt. Während in Deutschland traditionell der Abend die günstigste Tankzeit ist – perfekt für Berufstätige auf dem Heimweg – wäre in einem österreichischen System kurz vor Mittag am billigsten. Genau dann, wenn die meisten Menschen arbeiten und nicht zur Tankstelle fahren können.

Ist die Idee wirklich neu?

Keineswegs. Bereits im November hatte der Bundesrat die Bundesregierung aufgefordert, das österreichische Modell zu prüfen. Damals stand allerdings noch nicht der Iran-Krieg im Fokus, sondern die nervtötenden Preisschwankungen im Tagesverlauf. Jetzt, angesichts der dramatischen Preissteigerungen durch die Krise im Nahen Osten, bekommt der Vorschlag neue Dringlichkeit.

Häufig gestellte Fragen zum Thema

Ist Tanken in Österreich wirklich günstiger als in Deutschland?

Ja, und zwar deutlich. Nach EU-Daten kostete Superbenzin E5 Anfang März rund 37 Cent weniger pro Liter, Diesel etwa 25 Cent. Allerdings liegt das hauptsächlich an niedrigeren Steuern und Abgaben – nicht am Preisregelungsmodell. Ob die österreichische Methode zusätzlich preisdämpfend wirkt, ist unter Experten umstritten. Manche Studien sehen einen positiven Effekt, andere warnen vor Preiserhöhungen auf Vorrat.

Wann wäre die beste Zeit zum Tanken mit dem neuen Modell?

Nach österreichischem Vorbild wäre kurz vor 12 Uhr mittags die günstigste Zeit – ein klarer Nachteil für Berufstätige. In Deutschland tankt man aktuell am besten abends zwischen 18 und 22 Uhr. Eine Umstellung würde vielen Autofahrern ihre gewohnte Tankroutine durchkreuzen und könnte gerade Pendler benachteiligen, die nicht flexibel tanken können.

Verhindert die Regelung wirklich Preischaos?

Das österreichische Wirtschaftsministerium sieht die Regelung als Erfolg: Sie schaffe Planbarkeit und reduziere den Anreiz für ständige Preisänderungen. Deutsche Experten sind skeptischer. Die Sorge: Statt vieler kleiner Anpassungen könnte es eine große Erhöhung pro Tag geben. Ob das unterm Strich besser für Verbraucher ist, bleibt offen. Fest steht nur: Mit 22 Preisänderungen täglich ist das aktuelle System kaum noch durchschaubar.


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