02. Februar 2026 – 89.0 RTL

Der wichtigste Musikpreis

Grammys 2026: Bad Bunny triumphiert mit erstem spanischsprachigem Album - Gala wird zum politischen Statement

Die 68. Grammy-Verleihung in Los Angeles entwickelte sich zu einer der politischsten Musikpreis-Galas der jüngeren Geschichte.

Bad Bunny Pressebild
Offizielles Bad Bunny Pressefoto für seine Welttournee 2026

Im Mittelpunkt stand der puertoricanische Rapper Bad Bunny, der mit seinem komplett auf Spanisch gesungenen Album „DeBÍ TiRAR MáS FOToS" Geschichte schrieb – und die Bühne für scharfe Kritik an der US-Einwanderungspolitik nutzte.

Historischer Triumph für Bad Bunny und die lateinamerikanische Musik

Zum ersten Mal in der Grammy-Geschichte ging die prestigeträchtigste Auszeichnung – das beste Album – an ein Werk mit ausschließlich spanischen Texten. Bad Bunny, mit bürgerlichem Namen Benito Antonio Martínez Ocasio, widmete sein Album seiner Heimat Puerto Rico und thematisiert darin kulturelle Identität und die koloniale Vergangenheit der Karibikinsel.

Der 31-Jährige nutzte seinen Moment im Rampenlicht für eine unmissverständliche Botschaft: „Bevor ich Gott danke, sage ich: ICE raus!", rief er unter Standing Ovations ins Publikum. Seine Worte richteten sich direkt gegen die umstrittene US-Einwanderungsbehörde ICE. „Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Außerirdischen, wir sind Menschen, und wir sind Amerikaner", betonte der Musiker unter anhaltendem Applaus.

Zusätzlich gewann Bad Bunny die Auszeichnung für das beste „Música Urbana Album" und widmete seine Preise „all den Menschen, die ihre Heimat, ihr Land verlassen mussten, um ihren Träumen zu folgen". Aus Sorge vor ICE-Einsätzen hatte er bereits angekündigt, vorerst keine Konzerte in den USA zu spielen.

Prominente Künstler schließen sich dem Protest an

Die politische Stimmung zog sich durch die gesamte Veranstaltung. Billie Eilish, die den Grammy für den Song des Jahres erhielt, fand ebenfalls deutliche Worte: „Niemand ist illegal auf gestohlenem Land", sagte die 24-Jährige und ergänzte unter Jubel: „Fuck ICE ist alles, was ich sagen möchte."

Auch andere Stars positionierten sich klar: Die britische Nachwuchskünstlerin Olivia Dean betonte ihre Einwanderer-Wurzeln, während Sängerin SZA dazu aufrief, trotz „Angst machender Zeiten" nicht zu verzweifeln. Viele Prominente trugen Anstecknadeln mit der Aufschrift „ICE Out" als sichtbares Zeichen ihres Protests.

Trevor Noah teilt gegen Donald Trump aus

Moderator Trevor Noah, der die Gala zum sechsten und nach eigener Aussage letzten Mal moderierte, verteilte den ganzen Abend über Seitenhiebe gegen US-Präsident Donald Trump. „Ich glaube an Amtszeitbegrenzungen. Ich möchte ein Beispiel setzen für jeden, der die Show anschaut", witzelte der 41-Jährige.

In einer besonders spitzen Bemerkung nach Billie Eilishs Auszeichnung sagte Noah: „Das ist eine Auszeichnung, die jeder will – genau so sehr wie Trump Grönland will. Epsteins Insel ist weg. Er braucht eine neue, um mit Bill Clinton abzuhängen."

Trump schimpft über „Müll"-Gala und droht mit Klage

Die Kritik blieb nicht unbeantwortet. Donald Trump bezeichnete die Grammy-Verleihung kurz nach Ende der Show auf seiner Plattform Truth Social als „Müll" und „praktisch nicht anschaubar". Moderator Noah nannte er einen „totalen Verlierer" ohne Talent und drohte ihm mit rechtlichen Schritten.

Seit Trumps zweiter Amtsübernahme war bei keiner live im US-Fernsehen übertragenen Entertainment-Veranstaltung so geballt Kritik an seiner Politik geäußert worden wie bei dieser Grammy-Gala.

Kendrick Lamar räumt fünf Trophäen ab

Musikalisch dominierte Rapper Kendrick Lamar den Abend. Mit neun Nominierungen gestartet, konnte er fünf davon in goldene Grammophone verwandeln – mehr als jeder andere Künstler an diesem Abend. Gemeinsam mit SZA gewann er unter anderem für seinen Song „luther", benannt nach dem 2005 verstorbenen Musiker Luther Vandross.

Die Überreichung dieses Preises sorgte allerdings für einen verwirrenden Moment: Musik-Ikone Cher (79), die die Auszeichnung für die beste Aufnahme des Jahres verkünden sollte, öffnete zunächst den Umschlag und sagte: „Der Grammy geht an Luther Vandross." Nach einer kurzen Pause korrigierte sie sich: „Der Grammy geht an Kendrick Lamar."

Historische Premieren und besondere Momente

Die Grammy-Verleihung 2026 wartete mit mehreren bemerkenswerten Premieren auf. Der Dalai Lama erhielt seinen ersten Grammy für sein Hörbuch „Meditations: The Reflections of His Holiness the Dalai Lama". Regisseur Steven Spielberg wurde als Produzent des „Besten Musikfilms" mit „Music for John Williams" ausgezeichnet und erreichte damit den begehrten EGOT-Status – er hat nun alle vier wichtigen US-Unterhaltungspreise (Emmy, Grammy, Oscar und Tony) gewonnen.

Erstmals ging ein Grammy auch an einen K-Pop-Song: „Golden" aus dem Netflix-Film „KPop Demon Hunters" wurde als bester für visuelle Medien geschriebener Song geehrt.

Provokante Mode auf dem roten Teppich

Neben den politischen Statements sorgten auch einige Fashion-Entscheidungen für Aufsehen. Chappell Roan erschien in einem fast durchsichtigen burgunderfarbenen Kleid, das an Piercings in ihren Brustwarzen befestigt war – zog sich für die eigentliche Gala aber deutlich bedeckter an. Justin Bieber machte es umgekehrt: Vom Anzug auf dem roten Teppich wechselte er für seinen Bühnenauftritt zu Boxershorts und Socken. Heidi Klum präsentierte sich in einem eng anliegenden beigefarbenen Latex-Kleid.

Häufig gestellte Fragen zu den Grammys 2026

Warum waren die Grammys 2026 so politisch?

Die Grammy-Verleihung fand in einer Zeit statt, in der die US-Einwanderungspolitik unter Präsident Trump besonders kontrovers diskutiert wird. Viele Künstler nutzten die große Bühne und Millionen Zuschauer, um ihre Kritik an ICE-Razzien und Abschiebungen zu äußern. Bad Bunnys persönliche Verbindung zu Puerto Rico und seine Sorge um die lateinamerikanische Community machten ihn zum Sprachrohr vieler Betroffener.

Was bedeutet Bad Bunnys Grammy-Sieg für die lateinamerikanische Musik?

Der Triumph ist ein Meilenstein: Erstmals wurde ein komplett spanischsprachiges Album als bestes Album ausgezeichnet. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung lateinamerikanischer Musik in der globalen Musikindustrie und könnte weiteren spanischsprachigen Künstlern den Weg ebnen. Die Recording Academy, deren rund 13.000 Mitglieder über die Preisträger entscheiden, setzte damit ein starkes Zeichen für kulturelle Vielfalt.

Was ist der EGOT-Status, den Steven Spielberg erreicht hat?

EGOT steht für Emmy, Grammy, Oscar und Tony – die vier prestigeträchtigsten Auszeichnungen der US-Unterhaltungsbranche. Nur sehr wenige Künstler haben alle vier Preise gewonnen. Spielberg komplettierte mit seinem ersten Grammy für „Music for John Williams" diese exklusive Sammlung. Der 79-jährige Regisseur hatte zuvor bereits mehrere Oscars, Emmys und einen Tony-Award gewonnen.

Die Preisträger in der Übersicht

In Los Angeles sind die Grammys vergeben worden. Das sind die Gewinner des Musikpreises in den wichtigsten Sparten:

  • Album des Jahres: Bad Bunny für "DeBÍ TiRAR MáS FOToS"
  • Song des Jahres: Billie Eilish und Finneas O'Connell für "Wildflower"
  • Aufnahme des Jahres: Kendrick Lamar und SZA für "luther"
  • Beste neue Künstlerin: Olivia Dean
  • Beste Pop Solo Performance: Lola Young für "Messy"
  • Beste Pop Duo Performance: Cynthia Erivo & Ariana Grande für "Defying Gravity"
  • Beste Dance/ Electronic-Aufnahme: Tame Impala für "End of Summer"
  • Bestes Dance/ Electronic-Album: FKA Twigs für "Eusexua"
  • Beste Dance Pop Aufnahme: Lady Gaga für "Abracadabra"
  • Bestes Rock Album: Turnstile für "Never Enough"
  • Bester Rap-Song: Kendrick Lamar und Lefty Gunplay für "tv off"
  • Bestes Rap-Album: Kendrick Lamar für "GNX"
  • Bestes Música Urbana Album: Bad Bunny für "DeBÍ TiRAR MáS FOToS"
  • Bestes Pop Vocal Album: Lady Gaga für "MAYHEM"
  • Bester für visuelle Medien geschriebener Song: KPop Demon Hunters für "Golden"

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